
Sichere Pfade verlassen - Am überraschendsten an diesem Buch war für mich, dass ich am Ende das Gefühl hatte, mindestens genauso viel über das Nachkriegsdeutschland, in dem ich nicht groß geworden bin, erfahren zu haben wie über Ägypten. Die meisten der interviewten Frauen stammen aus Deutschland und haben in den fünfziger und sechziger Jahren ihren ägyptischen Mann ken-nen gelernt, während ich Mitte der sechziger Jahre in der DDR geboren wurde. Seitdem hat sich nicht nur das Leben in Ägypten sehr verändert, sondern auch in Deutschland. Die Ver-änderungen verliefen in den beiden Ländern in unterschiedliche Richtungen, aber in beiden Fällen lohnt es sich, sich das bewusst zu machen und über die Ursachen nachzudenken.Die interviewten Frauen berichten in den meisten Fällen über einen sehr langen Zeitraum. Sehr eindrücklich ist denen, die sich für ein Leben in Ägypten entschieden haben, die Zeit ihrer Ankunft und des Einlebens in Erinnerung geblieben. Oft kann man die Schwierigkeiten und Probleme, die sie dabei insbesondere im Alltag zu bewältigen hatten, nur erahnen. Das liegt sicher mit daran, dass man sich eher an die angenehmen Dinge im Leben erinnert. Es zeigt aber auch, dass die Frauen ihre Entscheidung nicht bereut haben und zufrieden mit ihrem Leben sind.Bei der Beantwortung der Frage Soll ich (heute) einen Ägypter heiraten? ist das Buch da-her aus meiner Sicht nicht sehr hilfreich, obwohl eine Frau am Ende ihrer Geschichte konkre-te Tipps dafür gibt. Aber es regt an, darüber nachzudenken, inwieweit man selbst bereit ist, in seinem (eigenen) Leben Risiken einzugehen. Es macht Mut, sichere Pfade zu verlassen und sich für Unbekanntes zu öffnen. (Und das ist etwas, was nicht nur für Frauen, die über eine Hochzeit mit einem Ägypter nachdenken, interessant und bereichernd ist.)
Hut ab vor diesen Frauen! - Wie mag es gewesen sein, aus dem Nachkriegseuropa in den Orient zu kommen! Wie anders diese Welt gewesen sein muss, die manchem Europäer auch heutzutage noch fremd und unfassbar erscheint. Und ohne Telefon und Internet! Da haben wir es heute besser. Wir brauchen nicht auf Briefe zu warten, sondern schicken Mails rund um die Welt oder rufen über Internet mal eben an.Hut ab vor diesen Frauen!Die Lektüre ist nicht nur empfehlenswert als Dokumentation über Frauen in binationalen Ehen, sondern auch, weil die Frauen so mutig und unvoreingenommen ihr Leben an der Seite eines Ägypters angenommen und ausgefüllt haben.
15 Frauen mit einem Ägypter .... - Das Buch Mein Mann ist Ägypter habe ich gerne und mit großem Interesse gelesen, nicht nur weil die Autorin eine gute Freundin meines Lebensgefährten und mir ist, sondern weil hier 15 Frauen ihre Liebes- und Lebensgeschichte erzählen, die auch, wie ich meine, auf der Basis der europäischen Frau abläuft mit dem Unterschied, dass der Mann Ägypter und die Religion und die Kultur eine andere ist.Für mich als europäische Frau wäre eine solche Verbindung nur möglich gewesen, wenn es die große Liebe ohne meinen Verstand gegeben hätte.Auch heute hört man immer wieder von solchen Verbindungen junger Menschen. Ich halte es deshalb unbedingt für ratsam, dieses Buch zu lesen, was ja auch zu einem positiven Leitfaden werden kann.
Soll ich einen Ägypter heiraten? - Wir hatten es schon immer geahnt, aber jetzt wissen wir es: Der ägyptische Mann, der eine europäische Frau heiratet, ist weder ein Märchenprinz aus 1001 Nacht noch ein Unhold aus Nicht ohne meine Tochter, er ist ein ganz normaler Mann mit allen seinen Schwächen, Eitelkeiten und Empfindlichkeiten. Er ist liebevoll, großzügig, optimistisch und auch kindisch. Kurz: Er ist dem europäischen Mann sehr ähnlich, aber kultur- und religionsbedingt sehr familienorientiert. Woher ich das weiss? Von 15 europäischen Frauen, die ihre Lebensgeschichte im Buch Mein Mann ist Ägypter von Annelies Ismail erzählen. Manche dieser Geschichten sind einander so ähnlich, dass man meint, sie schon gelesen zu haben. Diese 15 Frauen sind sehr ehrlich, sie beschönigen nichts und versuchen auch nicht, das von ihnen gewählte Leben als ideal hinzustellen. Sie erzählen einfach, wie es ihnen ergangen ist bzw. noch ergeht. Ihre Geschichten sind kein Aufruf zur Nachahmung und auch keine Warnung vor den unergründlichen Orientalen, aber sie zeigen einem, was man erwarten kann - oder muss -, wenn man einen Ägypter heiratet und dazu noch nach Ägypten übersiedelt: Eine radikale Umstellung der Lebensart und die Notwendigkeit, sich mit einer anderen Mentalität abzufinden (oder auch mit einem anderen Recht: Haben Sie gewusst, dass in Ägypten eine Ehefrau, die keine Muslimin ist, nach ihrem Mann nicht erbberechtigt ist?). Nun zum Buch selbst. Die Geschichten dieser Frauen wurden von ihnen selbst erzählt und nur minimal redigiert, sie sind daher stilistisch einfach und erheben keinen literarischen Anspruch. Aber gerade das macht ihren Charme aus! Wir lernen aus diesen Geschichten! Man sollte jeder Frau, die einen Ägypter (oder meinetwegen irgendeinen Araber) heiraten will, dieses Buch zu lesen geben. Sie würden dann (hoffentlich!) nachdenken und sich gut überlegen, ob sie sich auf dieses Abenteuer einlassen oder lieber doch einen biederen und langweiligen österreichischen Beamten heiraten soll! Wenn sie den Ägypter wählt, dann wählt sie die interessante, abenteuerliche, aber auch anstrengende Fremde!
Ein sehr wichtiges Buch - Der Konflikt zwischen Religionen führt seit Jahrtausenden zu den absurdesten Ereignissen. Heilige Kriege, Molotowcocktails, Steinwürfe, fundamentalistische Albernheiten, es gibt wenig Verabscheuungswürdiges, was solche Konflikte nicht schon verursacht haben. Man begebe sich auf die Suche nach einem bewaffneten Konflikt, bei dem nicht zwei verschiedene Religionen eine Rolle spielen....da findet man kaum etwas.Umso erfreulicher, dass es positive zwischenreligiöse Verbindungen gibt, die endlich einmal zu Wort kommen.Das Buch erzählt 15 Lebens- und Liebesgeschichten, bei denen die Religionen nicht gestört haben. Das sollte auch für alle Zeiten ihre Aufgabe sein: einfach die Menschen leben und lieben zu lassen.Aber das ist wohl zu viel verlangt.